Kristina Inhof
„Man sollte kein Modepüppchen sein…“

Wie bereits vor einigen Tagen angeteasert, haben sich Alex und Stefan kürzlich auf das ORF Gelände am Küniglberg verirrt. Wobei, „verirrt“ trifft es nicht ganz, hatten sie doch dort eine besondere Verabredung. Es freut uns sehr, dass wir nach dem spannenden Interview mit Viktoria Schnaderbeck im Vorjahr nun abermals mit einer wahren Fussballexpertin sprechen durften. Die Rede ist von Sportjournalistin und Moderatorin Kristina Inhof.

Nachdem die Weltmeisterschaft in Russland noch nicht allzu lange zurückliegt, wollten wir wissen, wie anstrengend die tägliche Arbeit vor der Kamera ist und welche Mannschaft sie im Turnierverlauf besonders überraschen konnte. Außerdem hat uns ihr Weg zum Job als Moderatorin interessiert, die Art und Weise, wie sie sich auf Sendungen vorbereitet und natürlich, wie gut der Schmäh mit Herbert Prohaska läuft. Viel Spaß beim Lesen!

© spielfrei.at

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Kurvenblick
COME ON, BOYS IN RED & YELLOW!

Spielfrei auf Malta: Birkirkara vs. KÍ Klaksvík

Eigentlich ist es ja grundsätzlich falsch, einen Artikel mit eigentlich zu beginnen, aber was soll’s. Denn eigentlich berichte ich in meiner Kolumne ja hauptsächlich über das Geschehen am Rande des Spielfeldes. Darauf konzentriere ich mich zum Großteil der neunzig Minuten, nur bei spannenden Darbietungen am grünen Geläuf steht auch für mich das eigentliche Spiel im Mittelpunkt. Es kann durchaus vorkommen, dass ich mich Jahre später noch an jede einzelne Pyro-Aktion oder anderweitige Spektakel abseits des Rasens erinnern kann, vom eigentlichen Spielgeschehen, geschweige denn vom Ergebnis, aber nicht mehr den blassesten Schimmer habe. Mein Reisebericht macht dieses Mal eine kleine Ausnahme.

Der Urlaub auf Malta hätte sich eigentlich rein auf Kultur- und Badevergnügen beschränken sollen, aber es kommt halt immer etwas anders, als man denkt. Kurz vor der Abreise stellte ich mit Vergnügen fest, dass in der „Vorqualifikation” der Qualifikation zur Europa League 2018/2019 (warum auch immer noch eine zusätzliche Runde benötigt wird) von den meisten wohl völlig unbemerkt schon wieder der Ball rollen sollte, während sich die WM in Russland bereits auf die heiße Phase zubewegte. So eine Europapokal Auslosung vertieft ja die Geographiekenntnisse besser als jeder Sachkundeunterricht. Wo liegt eigentlich Kutaisi? Spielt Víkingur Gøta auf Island oder doch auf den Färöer? Und wo trägt eigentlich Qarabağ FK seine Heimspiele aus? Mit tatkräftiger Unterstützung von Google wurde ich schließlich auf das mit Spannung erwartete und die Massen elektrisierende Duell zwischen Birkirkara (Malta) und KÍ Klaksvík (Färöer) am 28.6.2018 aufmerksam. Auch wenn ich mich selbst nicht als Stadien- oder Länderpunkte sammelnden Groundhopper bezeichne, nehme ich so einen “Klassiker” doch dankend mit, wenn ich schon mal vor Ort bin. Es müssen ja nicht immer nur die großen Derbys und „Risikospiele“ sein.

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Das Zeit- und Strafraum Kontinuum
Minute 45+1:
Sex or Soccer? Kicker und Ficker bei der geilsten Nebensache der Welt

Was bisher geschah:

Hier könnt ihr euch die bisherigen Einträge rund um die fünf Jungs, die vor dem Fernseher ein Fussballspiel verfolgen, lesen. Nun aber viel Spaß mit der aktuellen Ausgabe:


Zum x-ten Mal wird die erotischste Szene der ersten Halbzeit im TV wiederholt. Der Freistoßschütze zieht sich im Zeitlupentempo die eng geschnittene Hose hinauf, sodass die knappen Hosenbeine nach innen verschwinden. Sein bestes Stück wird nur noch bedeckt von einem Hauch aus Polyester und Baumwolle. Quasi ein modernes Feigenblatt, wie es einstmals den Intimbereich barocker, humanistischer Davidfiguren verdeckte. Der Schütze weiß, dass der Vergleich mit Michelangelos David durchaus berechtigt ist. Beide werden sie bewundert, über beide werden Geschichten geschrieben, Bilder vervielfältigt und Legenden gesponnen. Beide sind sie übermenschlich muskulös geformte Statuen: der eine aus weißem Marmor, der andere aus Fleisch und Blut. Beide verstecken ihre göttlichen Körper nicht vor den voyeuristischen Augen ihrer Betrachter. Beide tragen ihr Haar im zeitgemäßen Stil: der eine lockig, der andere pomadig. Der Blick des Schützen, kurz bevor er zum Stoß anrennt, ist ähnlich stechend wie Davids Augen. Hier endet die Gemeinsamkeit. David ist ein Held, eine biblische Figur, in Stein gemeißelt, aber zugleich zurückhaltend, bescheiden, einer von uns. Nicht so der Schütze: Seine Augen wenden sich uns zu. Er sucht den Blickkontakt, weiß, wo die Kameras ihm am besten in die Augen schauen, damit sein Blick die Zuschauer durchbohren kann. Damit gibt er zu verstehen: Betrachtet mich, weidet euch an meiner Schönheit, meinem Körper, meiner Überlegenheit, meiner Übermenschlichkeit, meinem Über-Ich. Zugleich sollt ihr wissen, dass ich kein Spiegelbild euresgleichen bin. Ich bin mehr. Ich bin besser – unerreichbar, in Ewigkeit, Amen. Der Schütze ist ein selbsternannter Messias, der sein eigenes Fleisch zur lebenden Statue meißelt, ein Blender, dem nur die verlorenen Fussballseelen folgen. Selbstsicher in seiner Arroganz, einer von denen da oben, keiner von uns. Während die Bilder immer wieder laufen, herrscht auf der gemütlichen Couch Normalbetrieb: Man trinkt, gähnt, lacht, tippt etwas ins Handy oder kratzt sich am Hintern.

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Kurvenblick
Günned de Final, chömed hei und lönd oi fiire!

Schweizer CUPFINAL 2018

Als an einem bitterkalten Mittwochabend  (Temperaturen um die Minus 12 Grad) im Zürcher Letzigrund Cédric Brunner in der neunzigsten Minute zum 2:1 für den FCZ im CUP Halbfinal-Derby gegen die Grasshoppers einnetzte, gab es in der Zürcher Südkurve kein Halten mehr. Dutzende Bengalen erhellten den Nachthimmel und für mich als FCZ-Sympathisant stand fest, der Cupfinal – wie der Schweizer sagt – muss 2018 im Beisein meiner Wenigkeit stattfinden. Der Finalgegner wurde bereits am Abend davor ermittelt, wo der neue Meister Young Boys Bern den FC Basel eliminierte (dieses Duell wäre, wie bei meinem ersten Finale 2014, aus Fansicht natürlich wieder mein Favorit gewesen). Meine drei bisher gesehenen Finale waren zumindest fantechnisch jedes Mal den Besuch absolut wert.

„Der CUPFINAL ghört ins Wankdorf“

Der Fussball-Cupfinal fand erstmals nach 2014 wieder in Bern statt. Damals kam es zu Gewaltexzessen randalierender Fans aus Zürich und Basel. Bei ihrem Marsch durch die Stadt verursachten sie Sachschäden in Höhe von rund 40.000 Franken. Die Szenen an jenem Ostermontag fanden bereits weit vor dem Spiel statt und wurden geprägt von Männern mit schwarzen Kapuzenjacken, Sonnenbrillen und Sturmmasken mit Totenschädelmotiv. So bewegte sich der Mob der FCZ-Fans (angeblich auch unterstützt von Leuten des Stadtrivalen Grasshoppers, gemeinsam unter dem Namen „Zürichs kranke Horde“ aktiv) durch die Stadt, uniformiert, martialisch und für viele Aussenstehende sicherlich bedrohlich wirkend. Schaufenster gingen zu Bruch, ein Souvenirladen wurde ausgeräumt und in der Innenstadt war die Trennung der rivalisierenden Fangruppen nur durch massives Polizeiaufgebot und Wasserwerfer möglich. Auch vor dem Stadion kam es seitens der Polizei zum Einsatz von Wasserwerfern und sogar Gummigeschossen. Die Stadtregierung machte nach diesen Ereignissen deutlich, dass der Cupfinal in Bern nicht mehr willkommen sei. In den Folgejahren wich der Fussballverband deshalb nach nach Basel, Zürich und Genf aus.

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Reportage
Von Schwalben, Falken und Tauben – Fussball in Georgien (Teil 2)

Shevardeni 1906 vs. Shukura Kobuleti (1.7.2018)

Die Weltmeisterschaft läuft zeitgleich und noch dazu spielt heute der Veranstalter, der große Nachbar im Norden, sein Achtelfinale gegen die Furia Roja. Über die Fernsehschirme der Stadt flimmern spanische Querpassorgien und russischer Beton, während ich mich auf die Suche nach der Davit-Petriashvili-Arena mache. Dem Taxifahrer ist der Name zunächst kein Begriff, doch nach Konsultation mit einigen Nardy spielenden Kollegen winkt er mich in seinen 2er-Golf und steuert das Ziel am rechten Mtkvari-Ufer überzeugt an. Fernab vom Glanz des vom touristischen Zentrums hat man unter anderem für die U19-Europameisterschaft 2017 in der urbanen Peripherie zwischen sozialistischem Wohnbau und steppenähnlichen Stadtausläufern ein kleines Stadion inklusive Hotel aus dem Boden gestampft. Vor letzterem lädt mich Taxifahrer Giorgi , dem Shevardeni nichts zu sagen scheint, ab. Immerhin gibt es den traditionsreichen Verein auch erst seit drei Jahren wieder, nachdem man 1996 den Spielbetrieb einstellen musste. Die letzten 100 Meter gehe ich zu Fuß, wobei mir ein Rudel Straßenhunde klarmacht, dass ich besser nicht gekommen bin, um zu bleiben.

Es läuft familiär ab, wenn man das öffentliche Desinteresse an der heutigen Partie zwischen den Hausherren und Shukura Kobuleti euphemistisch umschreiben möchte. Meine Frage nach Tickets sorgt für allgemeine Heiterkeit bei der Stadion-Security, deren Präsenz auch nur mit gesetzlicher Notwendigkeit zu erklären ist. Mich eingeschlossen haben sich handgezählte 38 Zuseher, darunter fünf Zuseherinnen, eingefunden, um eine Antwort auf die brennende Frage, wie sich der Tabellenstand in der zweiten Liga entwickelt, zu bekommen. Wir machen uns auf schlumpffarbenen Sitzen breit, deren Zustand geschickt kaschiert, dass das Stadion eigentlich brandneu ist. Die Tartanbahn ums Spielfeld ist ebenfalls in der Farbe eines Gelato aus Kindheitserinnerungen gehalten. Nur der zweireihige VIP-Club, dessen Besuch jedem Anwesenden freisteht, hebt sich durch rote Polstersessel ab. Gastronomie? Fehlanzeige. Immerhin der Medienbereich ist stattlich besucht. Welche Partie kann sonst schon von sich behaupten, ein Verhältnis von 1:6 zwischen MedienvertreterInnen und BesucherInnen aufzuweisen?

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