Reportage
Von Schwalben, Falken und Tauben – Fussball in Georgien (Teil 1)

Sie wüssten so wenig über den Fussball in Zentralasien, monieren Adelmeier und Steghauser in ihrer letzten (und zwölften) Podcast-Ausgabe. Aus diesem Grund wäre eine gemeinsam ausgerichtete Weltmeisterschaft in Kirgistan, Tajikistan, Turkmenistan und Usbekistan zu unterstützen, denn es würde helfen, diese Länder auf unseren geistigen wie realen Landkarten zu verorten und (Fussball-)Kulturen kennenzulernen, die ihnen bislang unbekannt wären. Uns ist bewusst, dass König Fussball ein globales Phänomen ist. Dass er überall gespielt wird. Dass auch die Verbände von Bhutan und Bangladesch oder Tonga und Tuvalu gelegentlich elf Mann auf ein Spielfeld fernab unserer Aufmerksamkeit delegieren. Doch wie sich das im Konkreten gestaltet, entzieht sich zumeist unserer Kenntnis. So können viele Fussball-Aficionados problemlos den aktuellen Mittelstürmer von West Bromwich Albion oder den Ersatztorwart des FC Augsburg benennen, aber wenn der- oder dieselbe dann eine Handvoll Vereine aus einer Liga, die nicht Woche für Woche im Free- oder Pay-TV zu sehen ist, aufzählen soll, dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Abseits der perfekt kommerzialisierten Hochglanzprodukte von Premier League, Primera División und Co. geht es aber da wie dort um Emotionen auf den Rängen, um Lokalkolorit und die Grundeinstellung: „Support your local team.“

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Johnny Ertl
“Auch wenn ich nicht der Super-Techniker bin, hau’ ich mich immer voll rein.”

Für unser neuestes Interview haben wir uns mit jemandem getroffen, der so viele Facetten des Fussballs abdeckt wie kaum ein anderer. In seiner aktiven Zeit hat er in Österreich und England gespielt, dazu auch noch einige Einsätze fürs Nationalteam absolviert. Als er dann die Fussballschuhe an den Nagel gehängt hatte, wurde er in den Vorstand seines letzten Vereins gewählt. Die Rede ist von “teenage mutant ninja ertl” – Fanliebling Johnny Ertl.  

Unser Redakteur Alexander Stegisch hat mit dem gebürtigen Grazer über dessen Zeit in England, das Funktionieren eines Mitgliedervereins wie dem FC Portsmouth und die aktuelle Weltmeisterschaft in Russland gesprochen. Nachdem Johnny mittlerweile als TV Experte und Kommentator bei Puls4 bzw. DAZN das Fussballgeschehen genauestens analysiert, ist der Druck beim WM-Tippspiel entsprechend hoch. Zusätzlich berichtete er noch über die “Neymar Jr’s Five” Turnierserie und seine Rolle bei diesem internationalen Projekt.  

© Alexander Schwarz

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Am Kickplatz
Nichts Genaues weiß man nicht

Sommerzeit ist Fussballzeit! Wo ansonsten spielfreie Ruhe herrscht, stehen Fussballfans dank der kürzlich eröffneten Weltmeisterschaft nun glückselige Wochen voller Tippsiele, Public Viewings und Prohaska-Fallfehler bevor. Als WM-Junkie versuche ich – sehr zum Leidwesen meiner besseren Hälfte – nach Möglichkeit jedes Spiel samt Vor- und Nachberichten zu verfolgen. Selbst Teams wie Panama, Peru, Südkorea oder Senegal ziehen mich dieser Tage magisch in ihren Bann, sodass ich kaum die Zeit für meine Kolumne finde. Sowohl fürs Mitfiebern vor dem Fernseher als auch für diese Zeilen gilt jedoch: Was sein muss, muss sein! Weg jetzt aber von den luftigen Höhen des FIFA-Großereignisses, hin zur Bodenständigkeit des heimischen Amateurfussballs.

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Kurvenblick
Das Old-School Italo-Derby

Pisa und Livorno – zwei Städte in zwanzig Kilometern Entfernung, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Kultur und Tourismus auf der einen versus Hafen und Industrie auf der anderen Seite. Dem geneigten Fussballreisenden zaubern sie jedoch beide ein Leuchten in die Augen. Als Liebhaber der italienischen Stadion- und Fanlandschaft kommen mir bei dieser Paarung sofort Bilder aus den späten 90iger und 2000er-Jahren in den Sinn: volle, farbenfrohe Kurven mit grandiosem Tifo, aber auch heftige Ausschreitungen in und um die Stadien. Die Nerazzurri bzw. deren Kurve verfolge ich seit vielen Jahren, ist doch das schwarze Graz freundschaftlich mit den Pisani verbunden. Erste Kontakte entstanden durch die Gründungsmitglieder der bekannten Grazer Fangruppen, welche sich in ihren jungen Jahren so oft wie möglich neue Ideen aus dem damaligen „Ultra-Wunderland“ Italien holten. Diese Freundschaft ist trotz massiver Repression, mit der die Kurve Pisas seit Jahren zu kämpfen hat, immer noch fest verankert. Gegenseitige Spielbesuche der jeweiligen Kurven inklusive aufgehängter Zaunmaterialien zeugen in regelmäßigen Abständen davon. 

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