Kurvenblick
Das Old-School Italo-Derby

Pisa und Livorno – zwei Städte in zwanzig Kilometern Entfernung, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Kultur und Tourismus auf der einen versus Hafen und Industrie auf der anderen Seite. Dem geneigten Fussballreisenden zaubern sie jedoch beide ein Leuchten in die Augen. Als Liebhaber der italienischen Stadion- und Fanlandschaft kommen mir bei dieser Paarung sofort Bilder aus den späten 90iger und 2000er-Jahren in den Sinn: volle, farbenfrohe Kurven mit grandiosem Tifo, aber auch heftige Ausschreitungen in und um die Stadien. Die Nerazzurri bzw. deren Kurve verfolge ich seit vielen Jahren, ist doch das schwarze Graz freundschaftlich mit den Pisani verbunden. Erste Kontakte entstanden durch die Gründungsmitglieder der bekannten Grazer Fangruppen, welche sich in ihren jungen Jahren so oft wie möglich neue Ideen aus dem damaligen „Ultra-Wunderland“ Italien holten. Diese Freundschaft ist trotz massiver Repression, mit der die Kurve Pisas seit Jahren zu kämpfen hat, immer noch fest verankert. Gegenseitige Spielbesuche der jeweiligen Kurven inklusive aufgehängter Zaunmaterialien zeugen in regelmäßigen Abständen davon. 

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News
Erster Transfer in trockenen Tüchern

Wir haben zwar keine Ahnung, was es bedeutet, wenn jemand in trockenen Tüchern ist, aber auch wir präsentieren euch heute unseren ersten Neuzugang in dieser Saison. Mit dem offiziellen Start der Silly Season (so wird die Transferzeit in England bezeichnet, sehr treffend wie wir finden) freuen wir uns sehr, mit Gregor Eibel einen Top-Mann als Verstärkung für unsere Spielfrei-Redaktion gefunden zu haben.

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Der gebürtige Kumberger verbrachte seine Jugend in Liebenau und kam durch die damals regelmäßige Teilnahme des SK Sturm am Europacup bereits sehr früh auf den Geschmack von Auswährtsfahrten. Mittlerweile hat Gregor seinen Lebensmittelpunkt in Zürich, von wo aus er bisher über 200 Spiele im Ausland besuchte. Vor allem Italien und Süd- bzw. Osteuropa haben es ihm dabei sehr angetan, aber auch das Spielgeschehen der Eidgenossen verfolgt er mit Begeisterung.

In seiner Kolumne “Kurvenblick” wird er künftig für Spielfrei über die Ereignisse auf seinen Fussballreisen berichten. Es geht um Tradition, Leidenschaft, Reisestrapazen und die Frage, warum dieses Spiel all diesen Aufwand wert ist. Herzlich Willkommen, Gregor!

Podcast
Episode 11 – Weltmeister der Herzen

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Nächste Woche startet die Fussball WM in Russland. Für uns Grund genug, um uns in der neuen Episode ausführlich mit den Sonnenseiten und historischen Schmankerl der WM zu beschäftigen, damit ihr im Büro oder bei der nächsten Grillfeier mit eurem Wissen so richtig glänzen könnt. Außerdem trinken wir Bacardi-Cola aus einem Pokal und besprechen die großen 10 WM-Momente.

 

 

Fussball ist...
Arsène Wenger

Es heißt, wenn dich 50 Prozent der Leute lieben und 50 Prozent der Leute hassen, ist das die perfekte Voraussetzung, um ein Rockstar zu werden. Dass solche Weisheiten oft nicht mal das Papier wert sind, auf dem sie stehen, beweist der Protagonist dieses Textes: Arsène Wenger. Kaum ein Fussballtrainer hat in den vergangen Jahren die Anhänger eines Vereins so sehr gespalten wie er. Und doch könnte das Rockstar-Image nicht weiter von ihm weg sein. Nach dem gerade verpassten Einzug in das Europa League Finale hat er noch zwei Spiele auf der Betreuerbank des FC Arsenal vor sich. Tritt er Ende Mai (zumindest) von der Londoner Bühne ab, kann man wahrlich vom Ende einer Ära sprechen. Einem Ende, dass von den höchsten Höhen und aus Fan-Perspektive wohl auch von den tiefsten Tiefen geprägt wurde. (mehr …)

Am Kickplatz
Ein Gurkerl für die Ewigkeit

Jeder Fussballfan in Österreich weiß, was ein Gurkerl ist. Während man in Deutschland getunnelt wird, kriegt man das Gurkerl hierzulande geschenkt, ja geradezu passiv hilflos vom Gegner verpasst. Freude kommt beim Beschenkten dabei nie auf. Was bleibt, ist immer das Gefühl, ziemlich blöd dazustehen, meistens auch noch begleitet von einem höhnischen Raunen der Zuschauer und Gegenspieler. Besonders heikel ist es aber, wenn der Mann oder die Frau zwischen den Pfosten betroffen ist. Ein Gurkerl-Tor durch die Beine des Goalies, das ist Magie, eine Auszeichnung für jeden Stürmer. Rund um diese Spezialdisziplin des fussballerischen Zweikampfes begleitet mich seit Jahren eine Geschichte meines guten Freundes und Spielfrei-Kollegen Alex Stegisch, die er bei so gut wie jedem Spiel der Nationalmannschaft mit den Worten “Hey Burschen, wisst’s noch…” einleitet und dann zum gefühlt tausendsten Mal erzählt. Fairerweise muss man sagen, dass sein Mitteilungsdrang in letzter Zeit ein bisschen abgenommen hat. Einerseits wahrscheinlich, weil rundherum immer alle zufällig aufs Klo, dringend telefonieren oder sich etwas zu trinken holen müssen, wenn er zur Erzählung ansetzt. Andererseits liegt es sicher auch daran, dass Robert Almer nicht mehr im Tor der Nationalelf steht. Der Mann, den er in einem epischen Kampf bezwungen hat. Und zwar nicht irgendwie, sondern eben mithilfe eines meisterhaft ausgeführten Gurkerls. Ein historischer Fussballmoment für Herrn Stegisch, leider unbemerkt vom Rest der Welt. Nachdem ich selbst dabei war, kann ich bezeugen, dass das Ganze zumindest nicht erfunden ist, wenn auch schon sehr lange her und weit weg von den Sphären des Profifussballs. Anfang der 2000er-Jahre spielten wir unter dem ziemlich idiotischen Mannschaftsnamen “Johanns heiße Eisen” mit einer durchaus vorzeigbaren Mannschaft gelegentlich bei Streetsoccer-Turnieren, mehr oder weniger erfolgreich. In St. Ruprecht/Raab trafen wir dabei dann einmal auf Robert Almer und seine Jungs. Ob wir damals gewonnen oder verloren haben, weiß ich nicht mehr mit Sicherheit, geblieben ist auf jeden Fall der narrative Ohrwurm vom Gurkerl für die Ewigkeit, der mich zu dieser Ausgabe von “Am Kickplatz” führte.

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