Fussball ist...
FIFA

Wenn am 28. September FIFA 19 erscheint, geht die Fussballspielserie in ihre 26. Saison. Abgesehen von diversen Sonderausgaben zu Weltmeisterschaften, Champions League oder Straßenfussball veröffentlicht Herausgeber Electronic Arts unter dem kanadischen Label EA Sports jedes Jahr im Herbst eine neue Instanz der Serie. Für mich persönlich ist es die 24. Ausgabe des Spiels, das sich offiziell als Fussballsimulation bezeichnet. Angefangen vom Game Boy, über Nintendo 64, PC und diverse Playstations hat mich der virtuelle Kick all die Jahre begleitet. Natürlich führt das zu einer Diskussion, die vermutlich vielen Fans der Serie bekannt ist: Jetzt kaufst du schon wieder ein FIFA? Ist das nicht jedes Jahr dasselbe?

Jetzt kaufst du schon wieder ein FIFA? Ist das nicht jedes Jahr dasselbe?

Die Antworten darauf sind zumindest in meinem Fall ja und jein. In der Regel sind die Käufer Fussballfans, sei es von einigen Spielern, Vereinen, Ligen oder dem Sport ganz allgemein. So oder so muss man sich wohl eingestehen, dass Fantum nicht unbedingt etwas mit Rationalität zu tun hat. Deshalb reichen für die meisten Käufer Kleinigkeiten wie aktualisierte Mannschaftskader, neue Stadien, überarbeitete Trikots oder realistischere Gesichtszüge aus (ja, neue Gesichtsscans von diversen Spielern sind jedes Jahr ein großes Thema in der Szene). Aber EA steht auch regelmäßig in der Kritik und das nicht ganz zu Unrecht. Man sollte bei den jährlichen Neuerscheinungen viel mehr von Versionen als von tatsächlich neuen Spielen sprechen. Während man mit dem Gameplay zwar prinzipiell seit einiger Zeit sehr zufrieden sein kann, steckt der Teufel wie so oft im Detail. Die größte Cashcow rund um FIFA ist das Online-Geschäft. Dabei ist es dem Publisher möglich, zu den 69 €, die für das Spiel grundsätzlich zu zahlen sind, auch noch Zusatzeinnahmen zu lukrieren. Das gelingt aktuell erstaunlich gut, werden hier doch mehrere Wege beschritten. Zum einen setzt man auf den eSports-Zweig,  vergangenes Jahr konnte man immerhin einen neuen Rekord aufstellen und weltweit 20 Millionen User mobilisieren. Zum anderen legt man den Fokus auf den 2013 erstmals veröffentlichten Modus “Fifa Ultimate Team (FUT)”. Einfach erklärt geht es hier wie bei einem Sammelkartenspiel zu. Man kauft sich entweder durch echtes Geld oder durch erspielte elektronische Münzen Päckchen (in anderen Spielen auch als Lootboxen bekannt,) in denen unter anderem Spieler, Trikots oder Stadien enthalten sind, um sich so letztlich seinen eigenen Traumverein mit zugehörigem Team zusammenzustellen zu können. Kritik wird dabei von allen Seiten laut: So fühlen sich etwa die Offline-Gamer generell benachteiligt, aufmerksame Eltern sehen den pay-to-win Ansatz bei Ultimate Team problematisch (zudem ortet z.B. Belgien darin einen Verstoß gegen das Glücksspielgesetz und fordert, wie andere Länder auch, ein generelles Verbot) und im Wettkampf-Umfeld wird die fehlende Konstanz bzw. Chancengleichheit kritisiert. Immer wieder hört man vor allem von inaktiven Spieler (die aktiven trauen sich zumeist ob ihrer Sponsorverträge nicht), dass EA in den Spielablauf eingreift, zurückliegende Teams bevorzugt und so versucht, die Spannung künstlich am Leben zu erhalten. Natürlich wird diese Vorgehensweise, auch bekannt als Scripting, von EA stets verneint.

EA steht auch regelmäßig in der Kritik und das nicht ganz zu Unrecht.

Nichtsdestotrotz ist FIFA Jahr für Jahr der uneingeschränkte Marktführer. Ein Umstand, dem auch “Pro Evolution Soccer” nicht entgegenwirken kann. Die zweite Fussballsimulation am Markt kommt vom japanischen Unternehmen Konami und gilt als FIFAs größter bzw. einziger Konkurrent. Wobei das Wort Konkurrent unter sehr deutliche Anführungszeichen zu setzen ist, verkauft EA doch fast 18 mal so viele Exemplare wie sein Konterpart. Dabei hat Konami objektiv betrachtet sogar die Nase vorn, wenn es zum Beispiel um Gameplay oder Grafik geht. Auch in den Bewertungen diverser Gaming-Portale hat man sich in den letzten Jahren immer durchgesetzt. Warum dann dieser große Unterschied in den Verkaufszahlen? Letztendlich lässt sich wohl alles auf die Lizenzen für Spieler und Ligen reduzieren. FIFA verfügt über die realen Namen von Vereinen und Spielern, offizielle Kommentatorenstimmen, die auch aus dem Fernsehen bekannt sind (im Deutschen z.B. Wolf Fuss von Sky), Vereinslogos und sogar die Grafiken von Fernsehübertragungen. Dieses Jahr konnte man Konami zusätzlich noch die Exklusivrechte für Champions- und Europaleague abluchsen.

Während ich Monopolen grundsätzlich skeptisch gegenüberstehe und jetzt auch recht ausführlich die Problemfelder von FIFA skizziert habe, kann ich es dennoch kaum erwarten, wenn Ende September die Champions League Melodie (wurde eigens von Hans Zimmer überarbeitet:  www.youtube.com/watch?v=XpS7-9FvUno) aus der Playstation ertönt. Und obwohl FIFA 19 noch gar nicht erschienen ist, freue mich jetzt schon wie ein kleines Kind auf FIFA 20.

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