Fussball ist...
Wunderkinder

“Druck? Was für ein Druck? Druck ist, wenn arme Menschen überall in der Welt versuchen ihre Familien zu ernähren. Wenn sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang arbeiten müssen, um ihre Kinder zu füttern. Es gibt keinen Druck im Fußball.”, findet zumindest der Startrainer José Mourinho. Als ich als Jugendlicher vor dem Fernseher saß (natürlich oft auch nur vorm Teletext, damals die einzige aktuelle Informationsquelle), war mir natürlich noch nicht wirklich klar, was da am Bildschirm abgeht. Für mich waren das Erwachsene, die nur Fussball spielen brauchen und sonst nichts. Da war es natürlich kein Wunder, dass meine Freunde und ich das auch gerne mal genauso machen wollten. Und tatsächlich ist es dem ein oder anderen auch gelungen, die oft zitierte schönste Nebensache der Welt zum Beruf zu machen. Wie so viele andere auch wurde ich hingegen auf den Boden der Realität geholt und musste bald erkennen, dass so ein Karriereweg nur den Wenigsten vorbehalten ist.

Heute, wo ich älter bin als die meisten Spieler, die ich nach wie vor im Fernsehen verfolge (mittlerweile hauptsächlich im Stream, selbst den Teletext rufe ich maximal über das Internet auf), ist mir erst bewusst, was man alles mitbringen muss, um letztlich wirklich den Durchbruch zu schaffen. Ob man den Ruf des (ewigen) Talents überwindet, hängt von sehr vielen Faktoren ab. In Österreich gibt es über 500.000 aktive Fussballerinnen und Fussballer, um aufzufallen reicht es längst nicht mehr aus gut mit dem Ball umgehen zu können.

Dass die Einstellung passen muss, wird ebenfalls vorausgesetzt. Um die Stars von morgen so gut es geht zu fördern, gibt es in Österreich zwölf Akademien, in jedem Bundesland mindestens eine. Dort werden Möglichkeiten geboten den Fussball im Alltag der Nachwuchshoffnungen bestmöglich in den Vordergrund zu stellen. Stundenpläne sind mit Kooperationsschulen auf die Trainings abgestimmt, es gibt sowohl Halb- als auch Vollinternat und man versucht auch abseits des Fussballs sportliche Reize zu setzen. Zusätzlich wird aber immer darauf geachtet, dass bei allem Fokus auf die Spielerkarriere auch die Ausbildung nicht zu kurz kommt. Immerhin kann es mit dem Fussball schnell vorbei sein.

Genau diese Weitsicht braucht es nämlich auch, um sich letztlich am Weg zur Weltspitze durchzusetzen. Eines der größten Talente unserer Zeit ist Kylian Mbappé. Mit 17 Jahren beim AS Monaco debütiert, wechselte er letzten Sommer auf Leihbasis zu Paris Saint-Germain, im Falle eines Kaufes würden 180 Millionen Euro fällig werden. Hört man ihm bei Interviews zu, fallen zwei Dinge besonders auf:

Der Umgang mit Medien gehört für ihn – wie für so viele andere auch – zum absoluten Alltag. Jedes Wort ist wohl überlegt. Stets höflich und ein wenig distanziert gibt er auf zugegeben oft sehr ähnliche Fragen immer dieselben Antworten. Ein Verhalten, dass sicherlich auch auf das Mediencoaching der Akademien zurückzuführen ist.

Das Zweite, was mir bei ihm immer wieder auffällt, ist seine enorme Reife. Mit geschlossenen Augen würde man bei einem seiner Interviews davon ausgehen, dass der Moderator sich mit einem 30-Jährigen unterhält. Mit einer Ruhe und Gelassenheit, die ich mir bis heute noch nicht angeeignet habe, werden Entscheidungen gut durchdacht und auch entsprechend kommuniziert. Er selbst bezeichnet den Hype um seine Person abschätzig als die Mbappé-Show. Man hat das Gefühl, er möchte mit dem ganzen Zirkus überhaupt nichts zu tun haben und sich rein auf den Sport konzentrieren.

Die Tatsache, dass er aber neben Talent und Einstellung auch diese Reife mitbringt, machte aus ihm genau eines dieser Wunderkinder, denen wir so gerne beim Ausüben ihrer Berufung zusehen. In Österreich konnte ich diese erfolgreiche Kombi an Eigenschaften erst bei David Alaba beobachten, wobei zum Beispiel ein Marko Arnautovic zeigt, dass auch außerhalb der Norm noch Wunder geschehen können.

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