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FC Winterthur – das Schweizer St. Pauli?

Der FC Winterthur ist eine Ausnahmeerscheinung in der Schweizer Fussballlandschaft. Wegen seiner linken Fans und der Ausrichtung gegen die fortschreitende Kommerzialisierung des Fussballs trägt der Verein den Spitznamen „FC St. Pauli der Schweiz“. Mit „Hells Bells“ von AC/DC benutzen sie sogar dieselbe Einlaufmusik wie ihre Kollegen aus Hamburg. Doch was steckt wirklich hinter diesem Vergleich? Das Cupspiel gegen den FC Basel nahm ich zum Anlass, mich etwas eingehender mit dem  FC Winterthur zu befassen, dem Kultverein der Schweiz. Schon aufgrund der Nähe zu meinem Wohnort verfolge ich die Geschicke des FCW in der Challenge League, der zweithöchsten Spielklasse. Noch bevor ich in der Schweiz sesshaft wurde, verschlug es mich bereits in das legendäre Stadion Schützenwiese (in der Szene liebevoll “Schützi” genannt), wo mich ein langjähriger Stadiongänger unter seine Fittiche nahm. Nach einigen Bieren war damals der Bann gebrochen und mittlerweile ist eine sehr sehr gute Freundschaft daraus entstanden.

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Der Traum von Amsterdam

Während die meisten Fussballfans und solche, die zu Beginn eines jeden Großereignisses plötzlich dazu mutieren, im heurigen Juni völlig dem WM-Fieber erlegen waren, beschäftigte mich zu dieser Zeit bereits ein anderes Thema. Die Europapokal-Auslosung stand vor der Tür und damit einige Fragen: Wer ist dabei? Wer ist ein möglicher Gegner? Und wie komme ich dorthin? Leider war die Spannung recht schnell dahin, als bekannt wurde, dass für meinen Herzensverein Sturm Graz nur der FC Basel oder Ajax Amsterdam als mögliche Gegner in der zweiten Quali-Runde in Frage kommen würden. Den Modus der Ziehungen durchblicke ich ja schon längst nicht mehr, lässt sich der Alt-Herren Club in Nyon ja alljährlich ein neues Prozedere einfallen.

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COME ON, BOYS IN RED & YELLOW!

Spielfrei auf Malta: Birkirkara vs. KÍ Klaksvík

Eigentlich ist es ja grundsätzlich falsch, einen Artikel mit eigentlich zu beginnen, aber was soll’s. Denn eigentlich berichte ich in meiner Kolumne ja hauptsächlich über das Geschehen am Rande des Spielfeldes. Darauf konzentriere ich mich zum Großteil der neunzig Minuten, nur bei spannenden Darbietungen am grünen Geläuf steht auch für mich das eigentliche Spiel im Mittelpunkt. Es kann durchaus vorkommen, dass ich mich Jahre später noch an jede einzelne Pyro-Aktion oder anderweitige Spektakel abseits des Rasens erinnern kann, vom eigentlichen Spielgeschehen, geschweige denn vom Ergebnis, aber nicht mehr den blassesten Schimmer habe. Mein Reisebericht macht dieses Mal eine kleine Ausnahme.

Der Urlaub auf Malta hätte sich eigentlich rein auf Kultur- und Badevergnügen beschränken sollen, aber es kommt halt immer etwas anders, als man denkt. Kurz vor der Abreise stellte ich mit Vergnügen fest, dass in der „Vorqualifikation” der Qualifikation zur Europa League 2018/2019 (warum auch immer noch eine zusätzliche Runde benötigt wird) von den meisten wohl völlig unbemerkt schon wieder der Ball rollen sollte, während sich die WM in Russland bereits auf die heiße Phase zubewegte. So eine Europapokal Auslosung vertieft ja die Geographiekenntnisse besser als jeder Sachkundeunterricht. Wo liegt eigentlich Kutaisi? Spielt Víkingur Gøta auf Island oder doch auf den Färöer? Und wo trägt eigentlich Qarabağ FK seine Heimspiele aus? Mit tatkräftiger Unterstützung von Google wurde ich schließlich auf das mit Spannung erwartete und die Massen elektrisierende Duell zwischen Birkirkara (Malta) und KÍ Klaksvík (Färöer) am 28.6.2018 aufmerksam. Auch wenn ich mich selbst nicht als Stadien- oder Länderpunkte sammelnden Groundhopper bezeichne, nehme ich so einen “Klassiker” doch dankend mit, wenn ich schon mal vor Ort bin. Es müssen ja nicht immer nur die großen Derbys und „Risikospiele“ sein.

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Günned de Final, chömed hei und lönd oi fiire!

Schweizer CUPFINAL 2018

Als an einem bitterkalten Mittwochabend  (Temperaturen um die Minus 12 Grad) im Zürcher Letzigrund Cédric Brunner in der neunzigsten Minute zum 2:1 für den FCZ im CUP Halbfinal-Derby gegen die Grasshoppers einnetzte, gab es in der Zürcher Südkurve kein Halten mehr. Dutzende Bengalen erhellten den Nachthimmel und für mich als FCZ-Sympathisant stand fest, der Cupfinal – wie der Schweizer sagt – muss 2018 im Beisein meiner Wenigkeit stattfinden. Der Finalgegner wurde bereits am Abend davor ermittelt, wo der neue Meister Young Boys Bern den FC Basel eliminierte (dieses Duell wäre, wie bei meinem ersten Finale 2014, aus Fansicht natürlich wieder mein Favorit gewesen). Meine drei bisher gesehenen Finale waren zumindest fantechnisch jedes Mal den Besuch absolut wert.

„Der CUPFINAL ghört ins Wankdorf“

Der Fussball-Cupfinal fand erstmals nach 2014 wieder in Bern statt. Damals kam es zu Gewaltexzessen randalierender Fans aus Zürich und Basel. Bei ihrem Marsch durch die Stadt verursachten sie Sachschäden in Höhe von rund 40.000 Franken. Die Szenen an jenem Ostermontag fanden bereits weit vor dem Spiel statt und wurden geprägt von Männern mit schwarzen Kapuzenjacken, Sonnenbrillen und Sturmmasken mit Totenschädelmotiv. So bewegte sich der Mob der FCZ-Fans (angeblich auch unterstützt von Leuten des Stadtrivalen Grasshoppers, gemeinsam unter dem Namen „Zürichs kranke Horde“ aktiv) durch die Stadt, uniformiert, martialisch und für viele Aussenstehende sicherlich bedrohlich wirkend. Schaufenster gingen zu Bruch, ein Souvenirladen wurde ausgeräumt und in der Innenstadt war die Trennung der rivalisierenden Fangruppen nur durch massives Polizeiaufgebot und Wasserwerfer möglich. Auch vor dem Stadion kam es seitens der Polizei zum Einsatz von Wasserwerfern und sogar Gummigeschossen. Die Stadtregierung machte nach diesen Ereignissen deutlich, dass der Cupfinal in Bern nicht mehr willkommen sei. In den Folgejahren wich der Fussballverband deshalb nach nach Basel, Zürich und Genf aus.

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Das Old-School Italo-Derby

Pisa und Livorno – zwei Städte in zwanzig Kilometern Entfernung, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Kultur und Tourismus auf der einen versus Hafen und Industrie auf der anderen Seite. Dem geneigten Fussballreisenden zaubern sie jedoch beide ein Leuchten in die Augen. Als Liebhaber der italienischen Stadion- und Fanlandschaft kommen mir bei dieser Paarung sofort Bilder aus den späten 90iger und 2000er-Jahren in den Sinn: volle, farbenfrohe Kurven mit grandiosem Tifo, aber auch heftige Ausschreitungen in und um die Stadien. Die Nerazzurri bzw. deren Kurve verfolge ich seit vielen Jahren, ist doch das schwarze Graz freundschaftlich mit den Pisani verbunden. Erste Kontakte entstanden durch die Gründungsmitglieder der bekannten Grazer Fangruppen, welche sich in ihren jungen Jahren so oft wie möglich neue Ideen aus dem damaligen „Ultra-Wunderland“ Italien holten. Diese Freundschaft ist trotz massiver Repression, mit der die Kurve Pisas seit Jahren zu kämpfen hat, immer noch fest verankert. Gegenseitige Spielbesuche der jeweiligen Kurven inklusive aufgehängter Zaunmaterialien zeugen in regelmäßigen Abständen davon. 

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