Jeder Fussballfan in Österreich weiß, was ein Gurkerl ist. Während man in Deutschland getunnelt wird, kriegt man das Gurkerl hierzulande geschenkt, ja geradezu passiv hilflos vom Gegner verpasst. Freude kommt beim Beschenkten dabei nie auf. Was bleibt, ist immer das Gefühl, ziemlich blöd dazustehen, meistens auch noch begleitet von einem höhnischen Raunen der Zuschauer und Gegenspieler. Besonders heikel ist es aber, wenn der Mann oder die Frau zwischen den Pfosten betroffen ist. Ein Gurkerl-Tor durch die Beine des Goalies, das ist Magie, eine Auszeichnung für jeden Stürmer. Rund um diese Spezialdisziplin des fussballerischen Zweikampfes begleitet mich seit Jahren eine Geschichte meines guten Freundes und Spielfrei-Kollegen Alex Stegisch, die er bei so gut wie jedem Spiel der Nationalmannschaft mit den Worten “Hey Burschen, wisst’s noch…” einleitet und dann zum gefühlt tausendsten Mal erzählt. Fairerweise muss man sagen, dass sein Mitteilungsdrang in letzter Zeit ein bisschen abgenommen hat. Einerseits wahrscheinlich, weil rundherum immer alle zufällig aufs Klo, dringend telefonieren oder sich etwas zu trinken holen müssen, wenn er zur Erzählung ansetzt. Andererseits liegt es sicher auch daran, dass Robert Almer nicht mehr im Tor der Nationalelf steht. Der Mann, den er in einem epischen Kampf bezwungen hat. Und zwar nicht irgendwie, sondern eben mithilfe eines meisterhaft ausgeführten Gurkerls. Ein historischer Fussballmoment für Herrn Stegisch, leider unbemerkt vom Rest der Welt. Nachdem ich selbst dabei war, kann ich bezeugen, dass das Ganze zumindest nicht erfunden ist, wenn auch schon sehr lange her und weit weg von den Sphären des Profifussballs. Anfang der 2000er-Jahre spielten wir unter dem ziemlich idiotischen Mannschaftsnamen “Johanns heiße Eisen” mit einer durchaus vorzeigbaren Mannschaft gelegentlich bei Streetsoccer-Turnieren, mehr oder weniger erfolgreich. In St. Ruprecht/Raab trafen wir dabei dann einmal auf Robert Almer und seine Jungs. Ob wir damals gewonnen oder verloren haben, weiß ich nicht mehr mit Sicherheit, geblieben ist auf jeden Fall der narrative Ohrwurm vom Gurkerl für die Ewigkeit, der mich zu dieser Ausgabe von “Am Kickplatz” führte.
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